Baumpflege

Warum sieht man überall Holzhaufen?

Für den Freischnitt der Trasse wurden bisher ehrenamtlich mehr als 2300 Arbeitsstunden geleistet. Die meiste Zeit benötigte das Anhäufen der abgeschnittenen Äste und Kronen. Dieses - mit der Unteren Landschaftsbehörde Leverkusen abgestimmte - Vorgehen hat folgende Vorteile:

  • Die durchlüfteten Holzhaufen fungieren als Rückzugs- und Überwinterungsraum für kleinere Tierarten (Igel, Rotkehlchen, Erdkröte, Ringelnatter).
  • In den Reisighaufen aufwachsende Sträucher und Bäume sind in ihrer Jugendphase vor dem Verbiss des anzutref­fenden Rehwildes geschützt.
  • Die Haufen können abtrocknen und werden daher nur langsam durch Organismen (Pilze, Insekten) abgebaut. Daher bleibt der Kohlenstoff lange im Schnittgut gespeichert und wird so nicht in Form von Kohlendioxid (Klimagas) freigesetzt.

Sind die vielen Gartenabfälle an den Böschungen problematisch?

Rasenschnitt und Grünabfälle sind fast überall dort zu finden, wo Gärten an das Trassengebiet stoßen. Die Ablagerungen sind illegal und insbesondere dort, wo sie massiv auftreten, sehr problematisch. Unter den kompakten, teilweise über 1 m hohen Abfällen, ist der Boden verdichtet. Pflanzenwurzeln werden nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Aufgrund der daraus resultierenden Wurzelfäulnis können Bäume absterben.

Wer trägt die Verkehrssicherungspflicht?

Unser Verein trägt die vertraglich geregelte Verkehrssicherungspflicht über einen Zeitraum von 20 Jahren, also bis 2034. Nur unter dieser Voraussetzung hat die Stadt Leverkusen dem Kauf der Trasse zugestimmt.

Welche Bereiche unterliegen der Verkehrssicherungspflicht?

Die Verkehrssicherungspflicht erstreckt sich auf:

  • den Leverkusener Abschnitt des Rad- und Wanderweges,
  • seine fünf Zugänge,
  • zehn als Tunnel oder Brücken kreuzende Straßen,
  • vier parallel zur Trasse verlaufende Straßen,
  • einen parallel gelegenen Fußgängerweg, einen Wirtschaftsweg und zwei Wanderwege
  • sowie eine sehr hohe Anzahl von angrenzenden Gärten und bewirtschafteten Flä­chen.

Insbesondere in Bezug auf die Straßen, den Fußgän­gerweg und unseren Rad- und Wanderweg besteht eine sehr hohe Sorgfaltspflicht.

Von wo geht die Gefahr für die Verkehrsflächen aus?

Die Gefahr für den Rad- und Wanderweg sowie die angrenzenden Verkehrsflächen geht im Wesentlichen von höheren Bäumen aus.

Das von uns zu betreuende Areal ist 160.000 m² groß. Davon sind 42.000 m² geschottert bzw. asphaltiert. Der geschotterte Bereich wird baumfrei gehalten, Baumwurzeln könnten den Asphalt anheben.

Die verbleibende 118.000 m² große Fläche grenzt an den geschotterten Bereich an, ist auf jeder Seite durchschnittlich 10 m breit und überwiegend bewaldet. Bei Stammbruch oder Entwurzelung können die bis zu 30 m hohen Bäume nach innen - auf den Rad- und Wanderweg - aber auch nach außen fallen.

Wer prüft die Bäume auf ihren Gefahrenzustand und wie?

Bäume an öffentlichen Verkehrswegen müssen in regelmäßigen Zeitintervallen auf ihr Gefährdungspotential hin untersucht werden. Dies sollte durch einen zertifizierten Baumkontrolleur erfolgen. Dieser muss die Krone, den Stamm und den Wurzelbereich aller Baum, von denen eine Gefahr ausgehen könnte, untersuchen.

Was sind Gefahrenbäume?

Gefahrenbäume sind Bäume, die in Folge von Ast-, Kronen- oder Stammbruch sowie durch Entwurzelung verkehrssicherungspflichtige Bereiche gefährden. Ursache hierfür können z. B. Pilz- oder Insektenbefall und Schrägwuchs sein.

Wird eine akute Gefährdung durch den Baumkontrolleur festgestellt, sind wir verpflichtet, die entsprechenden Bäume zeitnah, z. B. auch im Som­merhalbjahr zu fällen.

Ohne diesen Eingriff  ist die Nutzung der Balkantrasse als Rad- und Wanderweg nicht möglich. Die Kosten für visuelle Baumkontrolle, Fällung und Astschnitt muss der Verein tragen.

Warum gibt es so viele Gefahrenbäume?

Kurz gesagt, wegen mangelnder Pflege.

Die Bahnstre­cke wurde 1991 und damit vor über 20 Jahren stillgelegt. Der Baumbestand wurde aber schon seit mehr als 40 Jahren nicht durchforstet (fett hervorgehobene Begriffe werden eigens erläutert). Auf unserem Areal wachsen fast ausschließlich Lichtbaumarten. Diese tragen zahlreiche Totäste. Viele dieser Bäume haben sich aus Stockausschlag entwickelt. Baumgabelungen sind häufig zu sehen.

Die aufgeführten Merkmale wirken sich meist negativ auf die Gesundheit der Bäume aus.

Was ist die Folge der fehlenden Durchforstung?

Kranke,  beschädigte oder schlecht geformte Bäume wurden nicht gefällt; der Bestand steht in großen Bereichen viel zu dicht. Das hat Folgen: 

  • Die Kronen verzahnen sich. Muss ein Baum gefällt werden, wird auch sein Nachbar stark geschädigt.
  • Die Bäume dunkeln sich gegenseitig aus. Es bildet sich eine große Anzahl von Totästen.
  • Die Bäume weichen einander aus und wachsen dementsprechend nicht senkrecht. Verstärkt wird diese Reaktion an den steilen Flanken. Solche Bäume sind in ihrer Statik gefährdet.
  • Aufgrund des geringen Standraums bilden die Bäume nur kleine Kronen und dünne, lange Stämme. Diese Stämme brechen leicht.

Die Entnahme von einzelnen Gefahrenbäumen ohne Durchforstung ändert am Dichtstand mit seinen problematischen Folgen nahezu nichts.

Welche Vorteile bietet eine Durchforstung?

Eine gezielte Durchforstung führt zu folgenden, positiven Veränderungen:

  • Gesunde Bäume können ihren Kronenraum erweitern und sich stabilisieren,
  • das Lichtangebot auf den Boden steigt,
  • Bäume, Sträucher und Kräuter können nachwachsen,
  • das Nahrungsangebot für Tiere steigt,
  • die Biotop- und Artenvielfalt erhöht sich.

Was sind Lichtbaumarten und Totäste?

An den Trassenrändern wachsen vorzugsweise Eiche, Vogelkirsche, Esche, Ahorn, Robinie, Fichte, Birke und Weide.

Diese Baumarten - Fichte eingeschränkt - sind Lichtbaumarten. Lichtbaumarten können im Gegensatz zu Schattenbaumarten (Buche, Tanne, Eibe) schon bei geringer Beschattung keine Photosynthese mehr betreiben. Die beschatteten Bereiche werden nicht mehr vom Baum versorgt, es bilden sich Totäste.

Totäste sind Eintrittspforten für holzzerstörende Pilze. Außerdem brechen sie leicht ab und stellen daher eine große Gefahr dar.

Was ist Stockausschlag?

An den Trassenflanken konnte der Wurzelstock gefällter Bäume und Sträu­cher häufig neu austreiben. Aus diesem sogenannten Stockausschlag entwickelten sich vielstämmige Sträucher sowie meist zwei- bis mehrstämmige Bäu­me. Im höheren Alter gehen von diesen Bäumen zwei Gefahren aus:

  • Sie stehen extrem dicht und dunkeln sich daher gegenseitig aus (Totäste).
  • Viele dieser Bäume weisen Schrägwuchs, Stamm- und Stockfäule auf (Stamm-/Wurzelbruch).

Warum sind Baumgabelungen ein Problem?

Viele Bäume gabeln sich bereits in geringer Höhe (Zwiesel). Diese beiden Stammteile sind häufig schlecht miteinander verwachsen und können an dieser Stelle reißen. Das Abschlitzen eines großen Stammteils stellt eine starke Gefährdung dar.

Welche Freischneidemaßnahmen empfiehlt das Artenschutzgutachten?

Die Biotopstruktur unseres Gebietes wird als insgesamt stark zugewachsen und verschattet eingeordnet.

Daher wird das Freischneiden und Offenhalten der Trasse in Hinblick auf den Artenschutz als überwiegend positiv angesehen. Außerdem sollen offene Kleinstrukturen erhalten und zusätzlich entwickelt werden. Beispielsweise sollen auf südexponierten Übergangszonen Saumstreifen regelmäßig gemäht werden. Diese Wärmeinseln fördern Kleintiere und Insekten. Sie bilden wiederum die Nahrungsgrundlage für andere Arten insbesondere für Reptilien.

Diese Art des Eingriffs schafft gleichzeitig die gewünschten drei bis vier Sichtfenster und -achsen in zugewachsenen Teilabschnitten der Balkantrasse.

Vorzugsweise an der Südseite der aufgeschütteten Dämmen finden sich größere Areale mit Sträuchern oder niedrigen Weiden aus Stockausschlag. Diese Bereiche könnten weiter als artenreicher Niederwald bewirtschaftet werden.